Ganzheitliche Begleitung beim Stillen mit zu wenig Milch.

Welche Trinkmenge ist normal?

Wenn du voll stillst und dein Baby gut gedeiht – gut ausscheidet, gut zunimmt – dann musst du dir keine Gedanken darüber machen, wie viel Muttermilch es braucht. Dann bekommt es nämlich alles nötige automatisch. Wenn du aber zufütterst oder ausschließlich die Flasche gibst, dann kann es hilfreich sein, den Bedarf des Babys zu überprüfen – vor allem, wenn es Unsicherheiten mit der Gewichtszunahme gibt.

Wieviel Muttermilch trinkt ein Baby am Tag?

Wieviel Muttermilch dein Baby am Tag trinkt, ist abhängig vom Lebensalter. Allerdings ist die Milchmenge für jedes Mutter-Kind-Paar individuell.

In der folgenden Tabelle habe ich für dich zusammengefasst, wie viel Muttermilch ein gestilltes Baby im Durchschnitt trinkt:

Alter des BabysMenge an getrunkener Muttermilch
1 Tagca. 20ml*
2 Tageca. 100ml*
3 Tageca. 290ml*
4 Tageca. 380ml*
5 Tageca. 460ml*
7 Tageca. 500ml*
2 Wochenca. 670ml*
1 Monatca. 690ml (550ml – 810ml)**
2 Monateca. 740ml (625ml – 825ml)**
3 Monateca. 760ml (640ml – 850ml)**
4 Monateca. 780ml (660ml – 875ml)**
5 Monateca. 790ml (675ml – 900ml)**
6 Monateca. 800ml (690ml – 910ml)**
Menge an Muttermilch, die ein vollgestilltes Baby je nach Alter im Durchschnitt trinkt. In Klammern sind die typischen Variationen (eine Standardabweichung vom Mittelwert) angegeben. Hier handelt es sich um Durchschnittswerte. Die tatsächliche Milchmenge schwankt enorm, vor allem in den ersten Tagen.
*Quelle: Hester et al. 2012, gerundete Werte.
**Quelle: Neville&Neifert 1989, die Daten sind zeitlich interpolierte Werte, die ich aus einer Grafik extrahiert habe.

Bitte behalte im Hinterkopf, dass der Zeitpunkt des Milcheinschusses sich von Frau zu Frau unterscheidet. Daher gibt es eine große Schwankungsbreite in der Milchmenge, die ein Säugling in den ersten Tagen trinkt.

Weder das Geburtsgewicht deines Babys, noch deine Milchmenge kurz nach dem Milcheinschuss sind der bestimmende Faktor für die spätere Milchmenge, die dein Baby später trinkt. Es ist absolut normal, dass manche Babys viel mehr Muttermilch trinken als andere. Das Gewicht deines Babys ab dem ersten Lebensmonat und die Trinkmenge sind stark miteinander verbunden: Schwere Babys trinken viel, leichte Babys trinken wenig.

Wieviel Muttermilch sollte mein Baby beim Stillen pro Mahlzeit trinken?

In einer Studie haben Forscher untersucht, wie viel Milch ein Baby Pro Stillmahlzeit trinkt. Die Babys waren zwischen 1 und 6 Monaten alt und wurden 6-18 Mal pro Tag (also innerhalb von 24 Stunden) gestillt.

Bei einer Stillmahlzeit tranken die Babys im Durchschnitt 74ml. Allerdings war die Schwankungsbreite enorm, nämlich zwischen 0 und 233ml! Im Durchschnitt tranken die Babys 63% der Milchmenge, die zu Beginn der Stillmahlzeit in der Brust vorhanden war. Auch hier gab es eine Schwankungsbreite – nämlich von 0% bis 100% der in der Milch vorhandenen Brust!

Ich kann daraus nur den Schluss ziehen, dass es keinen Sinn macht, zu überlegen, wie viel ein vollgestilltes Baby im Durchschnitt pro Mahlzeit an der Brust trinken sollte.

Babys wollen aus so vielen verschiedenen Gründen an die Brust – sie haben Durst, Hunger, das Bedürfnis nach Nähe, nach Beruhigung, nach Mamas gutem Duft…

Sie trinken so oft sie möchten und so viel sie möchten – vorausgesetzt, sie werden nach Bedarf gestillt.

Kommt ein Baby selten zur Brust, sind die Mahlzeiten größer. Kommt es häufig zur Brust, sind die Mahlzeiten kleiner. Hattet ihr einen längeren Stillabstand – zum Beispiel nachts – ist der Hunger größer, als wenn ihr kurz zuvor schon gestillt habt. Und manche Babys haben einen höheren Milchbedarf als andere.

Eine Brust kann mehr Milch haben als die andere

Es ist normal, dass entweder die rechte oder die linke Brust deine „dominante“ Brust ist, die mehr Milch für dein Baby produziert. Diese eine Brust wird über die gesamte Stilldauer mehr Milch produzieren als die andere Brust. Der Effekt kann dadurch verstärkt werden, dass dein Baby die dominantere Brust bevorzugt, weil es dort mehr Milch gibt. Wenn es häufiger und länger an der dominanten Brust andockt, wird dort noch mehr Milch produziert.

Wieviel Pre Nahrung braucht mein Baby?

Grundsätzlich solltest du wissen, dass Babys nach Bedarf mit Pre-Milch gefüttert werden sollten. Babys brauchen, je nach Hunger, jeden Tag eine unterschiedliche Menge an Nahrung. Es ist weder gut, ein Baby zu überfüttern (Studien weisen darauf hin, dass das zu späterem Übergewicht führen kann), noch ihm Nahrung vorzuenthalten, wenn es hungrig ist.

In dem hier verlinkten Artikel erläutere ich genauer, welche Pre-Milch für dein Baby die richtige ist.

Gibst du deinem Baby das Fläschchen, wirst du dabei bewusst oder unterbewusst von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Hunger- und Sättigungsanzeichen deines Babys,
  • deine etablierten Fütterungsroutine,
  • die Milchmenge in der Flasche,
  • Ratschlägen von anderen oder
  • die Fütterungsempfehlung auf der Verpackung

spielen oft eine Rolle und können und die Milchmenge beeinflussen, die dein Baby aus der Flasche bekommt. Damit steigt das Risiko, dein Baby zu unter- oder überfüttern. Deshalb sind Empfehlungen dazu, welche Milchmenge dein Baby trinken soll, mit Vorsicht zu genießen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann ich dir sagen, dass Babys etwa 150ml Pre-Milch pro kg Körpergewicht am Tag trinken. In der folgenden Tabelle ist die Trinkmenge eines Babys im Durchschnitt pro Tag nach Körpergewicht aufgeschlüsselt:

Körpergewicht BabyMenge an Pre-Nahrung
3000g450ml
3500g525ml
4000g600ml
4500g675ml
5000g750ml
5500g825ml
ab 6000g1000ml
Trinkmenge an Pre-Nahrung eines Babys je nach Körpergewicht.

Da Babys unterschiedlich schnell wachsen und unterschiedlich schnell an Gewicht zunehmen, kann man keine klare Fütterungsempfehlung nach Alter geben (obwohl auf der Verpackung natürlich eine Empfehlung angegeben ist).

Ich habe hier eine grobe Übersicht zusammengestellt, wie viel Pre-Milch ein Baby je nach Gewicht und Alter trinken würde:

Alter des BabysGewichtPre-Nahrung pro FütterungPre-Nahrung pro Tag
1. Tagunabhängig vom Gewicht5-10ml*nach Bedarf
2. Tagunabhängig vom Gewicht10-20ml*nach Bedarf
3. Tagunabhängig vom Gewicht20-30ml*nach Bedarf
4. Tagunabhängig vom Gewicht30-40mlnach Bedarf
5. Tagunabhängig vom Gewicht40-60mlnach Bedarf
6. Tagunabhängig vom Gewicht50-70mlnach Bedarf
7. Tagunabhängig vom Gewicht60-80mlnach Bedarf
2 Wochenca. 3500-4500gca. 100mlca. 500-700ml
1 Monatca. 3700-5000gca. 100mlca. 550-750ml
2 Monateca. 4400-6000gca. 100mlca. 650-900ml
3 Monateca. 5000-7000gca. 130mlca. 750-1000ml
4 Monateca. 5500-7500gca. 130mlca. 750-1000ml
5 Monateca. 6000-8500gca. 160mlca. 750-1000ml
6 Monateca. 6500-9000gca. 160mlca. 750-1000ml
Ungefähre Trinkmenge eines Neugeborenen pro Mahlzeit.
*Idealerweise bekommt das Baby in den ersten Tagen Kolostrum, auch wenn die Mutter nicht stillen möchte.

Die in der Tabelle angegebenen Werte sind nur Richtwerte, wie viel Milch du zubereiten solltest. Kein Baby muss die Flasche leer trinken! Davon abgesehen, sind die kleinen Mägen darauf ausgelegt, öfters kleinere Mengen zu trinken. Wenn dein Baby lieber öfters kleinere Mengen trinken möchte, ist das also normal und gesund.

Mit Flaschenmilch ernährte Babys, die weniger als eine Woche alt sind, trinken in der Praxis im Durchschnitt deutlich mehr Milch (teilweise um ein Vielfaches) als vollgestillte Babys. Babys in den ersten Wochen können nur das Volumen der Milch wahrnehmen, nicht den Energiegehalt. Deshalb trinken sie so lange, bis sie ein bestimmtes Volumen erreicht haben. Daher ist es sinnvoll, darauf zu achten, den Magen nicht mit zu großen Portionen zu überdehnen. Erst nach etwa 41 Tagen, also über einem Monat, trinken Babys ausschließlich nach Energiebedarf.

Kann man Pre-Nahrung überfüttern?

Grundsätzlich sollte Pre-Milch nach Bedarf gefüttert werden, also so viel wie dein Baby möchte. Es ist dabei normal, wenn sich die Trinkmenge von Mahlzeit zu Mahlzeit und von Tag zu Tag unterscheidet. Allerdings kann es durchaus passieren, dass du mehr Pre-Milch fütterst, als dein Baby braucht. Das steht u.a. im Verdacht, späteres Übergewicht zu begünstigen.

Daher solltest du bei der Fütterung folgendes achten:

  1. In den ersten Tagen ist der Magen des Babys noch sehr klein und sollte nicht unnötig überdehnt werden. Babys trinken im ersten Lebensmonat nach Volumen, statt nach Energiedarf. Gewöhnt sich Babys Magen an große Portionen, trinkt es vielleicht unnötig viel.
  2. Wird dein Baby gestillt und zugefüttert, sollte in den ersten Tagen und Wochen nicht zu viel Pre-Milch zugefüttert werden, da das deine eigene Milchmenge negativ beeinflussen kann. Hier musst du genau mit deiner Hebamme oder deiner Stillberaterin austarieren, welche Menge an Pre dein Baby ausreichend versorgt, aber nicht dazu führt, dass dein Baby zu wenig an der Brust trinkt.
  3. Füttere langsam und nach den Hunger- und Sättigungssignalen. Gerade bei Saugern mit weiter Öffnung (fließt die Milch einfach heraus, wenn du die Flasche umdrehst?) und wenn dein Baby beim Füttern gerade auf dem Rücken liegt, kann dein Baby zu schnell zu viel Milch bekommen. Besser ist es, einen Sauger mit möglichst kleiner Öffnung zu benutzen und das Baby in eine halb aufrechte Position zu bringen. Dein Baby ist satt, wenn es langsamer trinkt, sein Körper sich entspannt, einschläft oder den Sauger wieder loslässt. Wieviel Nahrung in der Flasche vorhanden ist, ist kein Anzeichen für die Sättigung deines Babys.
  4. Trinkt dein Baby über einen längeren Zeitraum deutlich mehr (oder weniger) als es rechnerisch seinem Bedarf entsprechen würde, dann ist es besser, einmal Rücksprache mit Stillberaterin, Hebamme oder Kinderarzt zu halten.

Kann man Muttermilch überfüttern?

Babys regulieren beim Stillen die Menge an Milch, die sie bekommen, selbst. Dieses Argument wird häufig als Argument dafür angeführt, dass man Babys mit Muttermilch nicht überfüttern kann.

Allerdings, so möchte ich argumentieren, kommen Babys aus vielen Gründen an die Brust, Hunger ist davon nur einer.

Ein Baby, das sehr unruhig ist und sich häufig an der Brust beruhigen möchte, nimmt daher womöglich mehr Milch zu sich als ein weniger unruhiges Baby.

Es kann also sein, dass ein Stillbaby mehr Muttermilch bekommt, als es ernährungsphysiologisch braucht.

Zugleich weiß man, dass Stillen das Risiko für späteres Übergewicht senkt. Wenn das Baby also weder Tragetuch, noch Schlaflied o.ä. akzeptiert, um sich zu beruhigen, und nur zur Brust will – dann ist das völlig in Ordnung, auch wenn es damit schneller zunimmt als erwartet.

Ist ein Baby satt, wenn es spuckt?

Wenn Baby spuckt, ist es nicht automatisch satt. Babys spucken aber häufig, wenn sie ihr Bäuerchen machen. Das ist oft nach einer Mahlzeit der Fall. Dass dabei etwas Milch herauskommt, ist normal, da der Schließmuskel des Magens noch nicht richtig funktioniert. Anzeichen für Sättigung sind beispielsweise sich entspannende Gliedmaßen, langsameres Saugen, Einschlafen oder Loslassen von Brust oder Sauger. Ein Baby, das spuckt, kann weiterhin Hunger haben.

Fazit

Stillbabys regulieren ihre Milchmenge selbst, wenn nach Bedarf gestillt wird. Flaschenbabys sollten ebenfalls nach Bedarf gefüttert werden, allerdings ist es hier besonders wichtig, auf Hunger- und Sättigungssignale zu achten, um das Baby nicht zu überfüttern. Fütterungstabellen sind normalerweise wenig hilfreich, weil Babys je nach Gewicht einen ganz unterschiedlichen Bedarf an Nahrung haben.

Stillmahlzeiten unterscheiden sich in ihrer Größe enorm, deshalb gibt es keinen Richtwert, wie viel ein Baby pro Stillmahlzeit trinken sollte. Bei Flaschenmahlzeiten gilt: Kleine Portionen sind, gerade bei jüngeren Neugeborenen, physiologisch besser als größere Portionen.

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