Ganzheitliche Begleitung beim Stillen mit zu wenig Milch.

Nachts abpumpen: Wenn ja, wie gelingt es stressfrei?

Oft werde ich gefragt, ob es nötig ist, in der Nacht abzupumpen. Bestimmt möchtest du deine Nacht gerne – so gut es eben geht – zum Schlafen nutzen.

Die kurze Antwort lautet „jein“, die lange Antwort kannst du in diesem Artikel nachlesen. Es hängt nämlich immer von deiner persönlichen Situation ab.

Falls du also gleich herausfindest, dass nächtlichen Abpumpen für dich sinnvoll ist, bekommst du ein paar Tipps obendrauf, wie es gut gelingt.

Meinen besten Tipp gibt es aber jetzt sofort: Wenn du dringend eine längere Schlafphase brauchst, dann lege diese Schlafphase in den 1. Teil der Nacht.

Warum? Die Milchbildung ist in den frühen Morgenstunden besonders effektiv (was ich weiter unten noch einmal erklären werde). Wenn du also 6 Stunden am Stück schlafen möchtest, nutze dafür lieber die Zeit zwischen 21 Uhr und 3 Uhr morgens, anstatt zwischen 0 und 6 Uhr.

Ist nächtliches Abpumpen notwendig?

Ob du nachts abpumpen musst, hängt stark von deiner individuellen Situation ab. Warum stellst du dir diese Frage?

1. Du möchtest mehr Muttermilch bilden

Wenn du deine Milchmenge aufbauen möchtest, weil dein Baby zu wenig Muttermilch bekommt, ist regelmäßiges Abpumpen – auch nachts – oft hilfreich. Während der Nacht und in den frühen Morgenstunden schüttet dein Körper vermehrt das Hormon Prolaktin aus, das die Milchbildung fördert. Vor allem im 2. Teil der Nacht. Verstreichen zu lange Pausen, kann es dazu kommen, dass deine Milchmenge zurückgeht.

Es kommt natürlich auch darauf an, wie viel dein Baby nachts stillt. Wenn dein Baby nachts sowieso die ganze Zeit an deiner Brust trinkt, ist es hilfreich, sich auf mehr Schlaf zu fokussieren. Dann pumpst du lieber tagsüber ab.

Wenn dein Baby aber längere Trinkpausen macht (über 3 Stunden), dann wird das nächtliche Abpumpen besonders effektiv sein.

Dabei solltest du eine bestimmte Perspektive einnehmen: Es wird nicht notwendig sein, wochenlang, monatelang nachts abzupumpen, um deine Milchmenge zu erhöhen. Ich rate den meisten Müttern, das ganze erstmal für eine Woche durchzuhalten und dann zu evaluieren, was es gebracht hat. Nach spätestens 5-6 Tagen solltest du einen deutlich positiven Effekt auf deine Milchmenge sehen. Wenn das nicht der Fall ist, ist fraglich, ob das Abpumpen wirklich der richtige Weg ist.

Und wenn du weißt, dass du das jetzt erstmal „nur“ in den nächsten maximal 7 Nächten durchziehen wirst, kannst du viel besser mit deinen Kräften haushalten. Vielleicht ist es auch möglich, dass du dir für diese eine Woche tagsüber Unterstützung holst, um etwas Schlaf nachzuholen!

Übrigens helfen bei vielen Frauen auch schon 2-3 Nächte, um merklich die Milchmenge zu steigern. Wenn du mehr Milch bilden willst, könnte auch Power Pumping eine Lösung sein.

2. Erleichterung bei vollen Brüsten

Manche Frauen wachen in der Nacht auf und spüren unangenehme Spannungen oder sogar Schmerzen in der Brust. Dann werde ich gefragt, ob nächtliches Abpumpen sinnvoll ist.

Das ist es in den meisten Fällen nicht. Viel sinnvoller ist „Stillen nach Bedarf“, und das bedeutet: nicht nur nach dem Bedarf deines Babys, sondern auch nach deinem Bedarf. Leg dein Baby ruhig einfach an, es wird im Halbschlaf gerne ein Schlückchen zu sich nehmen.

Falls das keine Option ist, oder falls es nicht ausreichend Linderung verschafft hat, ist es sinnvoller, die Milch von Hand aus der Brust zu gewinnen. Dabei kannst du auch gezielt aus harten und schmerzhafen Stellen die Milch entfernen, um einem Milchstau & einer Brustentzündung entgegen zu wirken.

Manche Frauen haben auch abends das Gefühl, absolut „leergetrunken“ zu sein und morgens vor Milch zu platzen. Mach dann bitte nicht den Fehler, abends zuzufüttern. Wenn dein Baby abends wirklich nicht satt wird, wird es sich nachts das holen, was es braucht. Die Milchmenge reguliert sich auf diese Weise. Wenn dein Baby aber abends nur aufgedreht ist, und die Brust zum Einschlafen braucht, dann „funktioniert“ das auch mit einer „leeren“ Brust.

3. Pumpstillen

Wenn du deine Milch komplett abpumpst und mit einer Flasche fütterst, solltest du das zunächst in einem Rhythmus tun, in dem Babys normalerweise an der Brust trinken. D.h. tagsüber alle 2-3 Stunden, nachts kannst du eine 4-stündige Pause machen. Es geht am Anfang einfach darum, die Milchmenge gut aufzubauen.

Wenn du nach 14 Tagen genug Milch für dein Baby abpumpst, kannst du natürlich versuchen, nachts eine längere Pause zu machen. Du wirst nach wenigen Tagen sehen, wie sich das auf deine Milchmenge auswirkt.

4. Milchvorrat anlegen

Wenn du einen Milchvorrat anlegen möchtest, dann ist es natürlich hilfreich, dann abzupumpen, wenn viel Milch verfügbar ist, und das ist meistens nachts und in den frühen Morgenstunden der Fall. Alternativ kannst du aber einfach tagsüber nach den Stillmahlzeiten noch einmal Milch abpumpen, das ist meist stressfreier.

Überleg dir aber bitte, ob es wirklich notwendig ist, einen Milchvorrat anzulegen. Unnötiges Abpumpen von Muttermilch kann Milchstau & Brustentzündungen fördern.

Wie kann ich das nächtliche Abpumpen reduzieren?

Wenn du bislang nachts abgepumpt hast und damit aufhören möchtest, solltest du das langsam tun. Dein Körper denkt, er muss nachts kräftig Milch herstellen. Wenn du plötzlich 8 Stunden durchschläfst, kann es zu einem Milchstau kommen.

Hast du bisher nach bspw. 4 Stunden abgepumpt, erhöhe die Zeit erstmal um eine Stunde auf 5 Stunden. So kannst du nach und nach deine Schlafenzeit wieder verlängern.

Alternativ kannst du die Milch sanft von Hand gewinnen. Achte hierbei darauf, die Brust nicht komplett zu entleeren, um deinem Körper nicht das Signal zu geben, mehr Milch herzustellen. Konzentriere dich lieber darauf, dass die Brust überall weich ist und sich gut anfühlt.

Wie klappt nächtliches Abpumpen möglichst stressfrei?

Richte dir abends alles her, was du für das nächtliche Abpumpen brauchst. Stelle die Pumpe, Flaschen und eventuell ein stillfreundliches Nachtlicht bereit. Eine Kühltasche kann auch hilfreich sein, um die Muttermilch gleich zu kühlen. (In einer Kühltasche bis max. 15°C ist die Muttermilch bis zu 24 Stunden haltbar.)

Überlege, an welchem Ort du abpumpen kannst, ohne dein Baby zu stören. (Vielleicht hat sich dein Baby auch schon an das Geräusch der Milchpumpe gewöhnt und wacht davon nicht auf. Probiert es einfach aus!)

Wenn du in einem anderen Raum abpumpst, sollte dein Partner solange ein Ohr auf Euer Baby haben. Dann musst du dir keine Sorgen machen und kannst entspannter abpumpen.

Es ist absolut hilfreich, alle Teile der Milchpumpe, die gereinigt werden müssen, in doppelter Ausführung zu besitzen. Dann musst du dir um die Reinigung der Teile in den nächsten Stunden bis zur nächsten Pump-Session keine Sorgen machen.

Apropos Brusthaube – ich hoffe, du verwendest die richtige Größe. Welches die richtige Brusthauben-Größe für dich ist, kann du in diesem Artikel nachlesen.

Weitere Tipps zum entspannteren Abpumpen kannst du nachlesen, wenn du auf diesen Link klickst.

Nächtliches Abpumpen – dein Weg, deine Entscheidung

Ganz ehrlich? Nächtliches Abpumpen ist nicht für jede Mutter das richtige. Manche Mütter kommen mit weniger Schlaf besser zurecht oder haben tagsüber mehr Gelegenheit sich auszuruhen als andere. Klar, dass denen das nächtliche Abpumpen leichter fällt.

Manchmal kann nächtliches Abpumpen genau den Boost geben, der nötig ist… aber manchmal führt es von milder Verzweiflung in übermäßige Verzweiflung. Und das ist es nicht wert!

Solltest du zu wenig Milch haben und Unterstützung brauchen, melde dich gerne hier bei mir.

Wie sind deine Erfahrungen mit nächtlichem Abpumpen? Schreib mir in die Kommentare, ich freue mich auf den Austausch!

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