Muttermilch ist die natürliche, artgerechte Nahrung für dein Baby. Sie ist leicht und schnell verdaulich, weil sie exakt auf das Verdauungssystem deines Babys abgestimmt ist. Wenn du zusätzlich zum Stillen auch Säuglingsnahrung fütterst, hast du vielleicht gemerkt, dass dein Baby davon länger satt ist. In diesem Beitrag erkläre ich dir, welche Inhaltsstoffe sowohl in der Muttermilch, als auch in der Anfangs- und Folgenahrung dafür verantwortlich sind. Übrigens: Je länger eine Säuglingsnahrung satt macht, desto stärker wird das Verdauungssystem deines Babys belastet und desto ungesünder ist es für dein Baby. Die schnelle Verdaulichkeit von Muttermilch ist für dein Baby ideal. Deshalb ist es sinnvoll – sofern ihr zufüttern müsst oder wenn du nicht stillst – eine Säuglingsnahrung zu wählen, die nicht so lange sättigt.
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Baby an der Brust nicht richtig oder nicht lange genug satt wird, ist eine Stillberatung der richtige Weg. In den meisten Fällen bekommt das Baby genug Muttermilch, wenn es bei den ersten Stillzeichen gestillt wird. Eben weil Muttermilch so leicht und schnell verdaulich ist, ist es völlig normal, dass Babys häufig stillen wollen. Es tut ihnen gut, es sättigt und beruhigt sie und gibt ihnen die Nähe, die sie brauchen – gerade bei Entwicklungssprüngen.
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Wie schnell wird Muttermilch, bzw. Pre-Nahrung verdaut?
Je kleiner das Baby ist, umso schneller wird Milch generell verdaut. Dazu kommt, dass der Magen noch kleiner ist. Daher ist es normal, dass jüngere Babys häufiger gestillt bzw. gefüttert werden müssen, als größere Babys.
Muttermilch verlässt den Magen grundsätzlich schneller als Flaschennahrung. Muttermilch wird in zwei Phasen verdaut. In der ersten Phase verlässt ein großer Teil der Milch den Magen. Flaschenmilch wird linear verdaut, also gleichmäßig. Manche Modelle gehen sogar davon aus, dass es bei Flaschenmilch eine Verzögerung gibt, bevor sie den Magen wieder verlässt.
Bei frühgeborenen Babys zwischen 1 und 9 Wochen ist es so, dass der Magen des gestillten Babys schon nach 25 Minuten wieder zur Hälfte leer ist, während der Magen eines mit der Flasche gefütterten Babys erst nach etwa 50 Minuten wieder zur Hälfte leer ist. Nach einer Stunde haben gestillte Babys 23% mehr Milch verdaut als mit der Flasche gefütterte Babys.
Bei gesunden Babys zwischen 1 und 6 Monaten dauert es allerdings 48 Minuten, bis Muttermilch zur Hälfte den Magen verlässt, bzw. 78 Minuten bei Flaschenmilch.
In der folgenden Tabelle habe ich aufgeschlüsselt, wie viel Milch zwei Stunden nach einer Mahlzeit noch im Magen verbleibt:
Art der Milch | Milch-Rest nach 2 Std. |
Muttermilch | 18% (bis zu 29%) |
Pre HA | 16% (bis zu 37%) |
Pre | 39% (bis zu 56%) |
Folgemilch | 47% (bis zu 66%) |
Kuhmilch | 55% (bis zu 74%) |
Niemand weiß, wie schnell der Magen eines Babys nach einer Mahlzeit leer ist. Es kommt natürlich auch auf die Größe der letzten Mahlzeit an. Man weiß allerdings, dass in manchen Fällen Pre HA fast so schnell verdaut wird wie Muttermilch. Pre Nahrung wird langsamer verdaut. Folgemilch braucht mindestens doppelt so lang wie Muttermilch, bis sie verdaut ist. Die Erfahrung sagt, dass Muttermilch nach 1 1/2-2 Stunden verdaut ist, während es bei Säuglingsnahrung 3-4 Stunden dauern kann. Es ist also völlig normal, dass gestillte Babys schon früher wieder hungrig sind.
Muttermilch enthält verdauungsfördernde Stoffe.
Forscher haben eine große Zahl von Enzymen in der Muttermilch entdeckt, die das Baby bei der Verdauung der Muttermilch unterstützen. Anfangsmilch oder Folgemilch enthält keine Enzyme, und das Baby mit dem noch unausgereiftem Verdauungtrakt muss die Milch allein mit seinen eigenen Enzymen verdauen. Daher ist es kein Wunder, dass Muttermilch kürzer im Verdauungstrakt verweilt als Säuglingsnahrung.
Neben den Verdauungsenzymen gibt es auch weitere Substanzen in der Muttermilch, die dazu beitragen, dass Muttermilch besser verdaut werden kann. Manche der Substanzen sind unbekannt, andere sind bekannt und teilweise als Inhaltsstoff in Pre-Nahrungen erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Taurin beispielsweise ist in großen Mengen in Muttermilch vorhanden und unterstützt die die Fettverdauung und die Aufnahme von Fett. Taurin ist als Zusatzstoff in Säuglingsnahrung zugelassen, allerdings gibt es noch keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass der Zusatz von Taurin in Säuglingsnahrung für Babys von Vorteil ist.
Hier erkläre ich dir einige Stoffe, die sich evtl. positiv auf die Darmgesundheit von Säuglingen auswirken und daher auf längerfristige Sicht einen Unterschiedlich für die Verdaulichkeit machen:
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) sind Stoffe, die nur in der Muttermilch vorkommen, und sie fördern als Präbiotiokum das Wachstum gesunder Darmbakterien, die bei der Spaltung von Laktose eine wichtige Rolle spielen. Anstelle von HMO sind in manchen Säuglingsnahrungen Galakto-Oligosaccharide (GOS) und Fructo-Oligosaccharide (FOS) enthalten, die auch als Präbiotikum wirken sollen. Allerdings sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung weder Vorteile von Risiken dieser Stoffe in Anfangsnahrungen. Diese Aussagen lassen sich allerdings nicht auf HA-Nahrungen übertragen, da diese nicht untersucht wurden.
Nucleotide sind Bausteine von DNA und RNA und in der Muttermilch enthalten und fördern das Wachstum gesunder Darmbakterien. In Säuglingsnahrung dürfen die Nucleotide Adenosin-5‘-Monophosphat, Cytidin-5‘- Monophosphat, Guanosin-5‘-Monophosphat und Inosin-5‘-Monophosphat zugesetzt werden. Ob sie für Babys gesundheitliche Vorteile haben, ist noch nicht abschließend geklärt.
Probiotika kommen in Muttermilch vor und werden auch in manchen Säuglingsnahrungen zugesetzt. Allerdings kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung zu dem Schluss, dass es keine hinreichenden Belege dafür gibt, dass gesunde Säuglinge von Probiotika in Säuglingsnahrung profitieren.
Flaschenmilch sättigt gleichmäßiger.
Beim Stillen verändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch während der Stillmahlzeit. Diese „Milchphasen“ bezeichnet man als Vorder- bzw. Hintermilch.
Zunächst trinkt das Baby die Vordermilch, die weiß und dünnflüssig ist und viel Laktose enthält. Diese Vordermilch stillt den Durst des Babys.
Anschließend kommt die Hintermilch aus der Brust. Diese Hintermilch ist dicker und enthält mehr Fett. Sie sorgt daher für eine lang anhaltende Sättigung.
Trinkt das Baby nur die fettarme Vordermilch aus der Brust, ohne je an die Hintermilch zu gelangen, dann wird die Muttermilch besonders schnell verdaut. Das kann dann dazu führen, dass das Baby bald wieder hungrig ist. Weiterhin kann es zu Verdauungsproblemen wie Blähungen, Schmerzen und schaumigem Stuhl kommen, da die Laktose nicht richtig verdaut werden kann.
Wenn dein Baby keine Probleme hat, dann stille es bitte weiter wie bisher.
Bemerkst du aber Anzeichen für ein unausgewogenes Verhältnis von Vordermilch und Hintermilch, ist es sinnvoll, das Baby zunächst eine Brust vollständig leeren zu lassen, bevor das Baby zur anderen Seite wechselt. Wird das Baby während einer Mahlzeit an der ersten Brust satt, bevor es zur anderen Seite wechseln kann, sollte bei der nächsten Mahlzeit dieselbe Seite angeboten werden, damit das Baby auch die Hintermilch bekommt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang natürlich, darauf zu achten, dass das Baby richtig angelegt ist, damit die Brust optimal entleert werden kann.
Im Vergleich zur Muttermilch, die aus flüssiger Vordermilch und sättigender Hintermilch besteht, ist die Zusammensetzung der Flaschenmilch zu jedem Zeitpunkt dieselbe und sättigt somit gleichmäßiger. Deshalb machen Eltern manchmal die Erfahrung, dass Pre längert satt macht als Muttermilch.
Säuglingsnahrung hat eine andere Zusammensetzung von Proteinen.
Pre-Milch ist in seiner Zusammensetzung eigentlich der Muttermilch nachempfunden. Dennoch unterscheidet sich Säuglingsnahrung in einigen Faktoren von der Muttermilch, unter anderem bei den Proteinen.
Milch enthält zwei wichtige Proteine, das Kasein (Casein) und das Molkenprotein (auch als Whey bekannt). Während das Molkenprotein flüssig bleibt, verfestigt sich das Kasein im Verdauungstrakt und bekommt eine quarkähnliche Konsistenz. Dadurch hat Kasein einen länger anhaltenden Sättigungseffekt.
Kolostrum hat nur ca. 10% Kasein im Bezug auf das Gesamtprotein. Reife Muttermilch enthält zwischen 20% und 40% Kasein. Da frühere Schätzungen von 40% Kasein zu 60% Molkenprotein ausgingen, enthält Pre-Milch genau dieses Verhältnis. Tatsächlich aber enthält Muttermilch oft auch weniger von diesem sättigenden Kasein.
Bei Folgemilch ist das Verhältnis noch deutlicher, sie enthält ca. 60% Kasein im Bezug auf das gesamte Protein.
Art der Milch | Energiegehalt (pro 100ml) | Verhältnis Kasein / Molkenprotein |
Kolostrum | 40-60 kcal | ca. 10:90 |
Reife Muttermilch | 66-69 kcal | zwischen 20:80 und 40:60 |
Pre Anfangsmilch | 66 kcal | ca. 40:60 |
1er Anfangsmilch | 68-71kcal | ca. 40:60 |
2er, 3er Folgemilch | 66-70 kcal | ca. 60:40 |
Kuhmilch | 66 kcal | ca. 80:20 |
Je höher der Kasein-Gehalt der Milch, desto länger hält die Sättigung an. Pre- und 1er Anfangsmilch können mehr Kasein enthalten als Muttermilch und daher etwas sättigender sein. Folgemilch hat oft einen noch höheren Kaseingehalt und ist somit noch sättigender.
Der Kasein-Gehalt variiert aber auch zwischen verschiedenen Pre-Nahrungen. Ausschlaggebend ist, welche Proteinquelle verwendet wird. Vollmilch und Magermilch (bzw. -pulver) sorgen für einen höheren Caseingehalt. Ist Molkenprotein zugesetzt, ist der Kasein-Gehalt automatisch niedriger, was für eine bessere Verdaulichkeit sorgt.
Folgemilch weist zusätzlich einen höheren Gesamtproteingehalt auf. Während der Proteingehalt von reifer Muttermilch über die Wochen und Monate des Stillens abnimmt, enthält Folgemilch sogar mehr Protein als Pre-Milch. Dieses zusätzliche Protein kann auch zu längerer Sättigung führen. Allerdings steht der hohe Proteingehalt unter Verdacht, späteres Übergewicht zu begünstigen, so dass das kein positives Merkmal der Folgemilch ist.
Auch in Pre-Nahrungen unterscheidet sich der Proteingehalt. Es kann gesundheitlich sinnvoll sein, eine Pre-Nahrung zu wählen, die einen eher niedrigen Proteingehalt von 1,2 – 1,3g/100ml aufweist (manche Pre-Nahrungen haben einen Proteingehalt von bis zu 1,5g/100ml). Zum Vergleich: Der Proteingehalt von reifer Muttermilch liegt bei 0,9 bis 1,2g/100ml.
Stärke in Säuglingsnahrung ist sättigend.
1er Anfangsmilch und Pre-Nahrung unterscheiden sich darin, dass in der 1er-Anfangsmilch Stärke zugesetzt sein darf. Stärke ist auch in 2er und 3er Folgenahrung enthalten.
Es gibt keinen Beleg dafür, dass die in 1er Nahrung zugesetzte Stärke tatsächlich die Sättigung fördert. Wird Stärke zugesetzt, so sinkt der Laktosegehalt, was was nachteilig sein kann, weil Laktose nachgewiesenermaßen gut für das Mikrobiom das Babys ist.
Flaschenmilch ist gleichmäßiger verfügbar.
An der Brust zu trinken erfordert etwas Durchhaltevermögen. Das liegt daran, dass die Milch nicht gleichmäßig fließt, sondern abhängig vom Milchspendereflex in der Brust: Beim ersten Milchspendereflex fließen ca. 45% der gesamten Milchmenge. Der zweite Milchspendereflex wird erst nach ca. 3 Minuten ausgelöst und der dritte Milchspendereflex nach ca. 5 Minuten. Dabei fließt jeweils immer weniger Milch aus der Brust. Immer wieder muss das Baby also quasi „trocken saugen“, bevor es wieder mit Milch belohnt wird. An der anderen Brust beginnt alles wieder von vorne.
Ein mit der Flasche gefüttertes Baby hingegen bekommt seine Milch kontinuierlich. Viele Flaschensauger sind auch sehr durchlässig und das Kind muss sich nicht stark anstrengen. Daher liegt es nahe, dass ein Baby an der Flasche mehr trinkt, bevor es das Interesse verliert und sich abwendet. Diese größeren Flaschenmahlzeiten können dazu führen, dass das Baby länger satt ist, als ein gestilltes Baby.
Dir schwirrt der Kopf?
Es ist schwierig, über Säuglingsnahrung zu sprechen, ohne ungewollte Werbung für Hersteller zu machen. Wenn du einen schnellen Tipp brauchst, dann buche unkompliziert ein Kennenlerngespräch (vermerke dabei, dass du Rat für die Wahl der Säuglingsnahrung brauchst) und wir sprechen Klartext. 🙂
Fazit
Viele Eltern wünschen sich mehr Schlaf und einen entspannteren Tagesablauf. Flaschenbabys haben oft größere Abstände zwischen den Mahlzeiten als Stillbabys. Flaschennahrung und Muttermilch unterscheiden sich in einigen Faktoren, die tatsächlich dazu beitragen, dass Flaschenbabys länger satt sind. Allerdings beruht diese längere Sättigung auf einer schwereren Verdaulichkeit, die nachteilig für die Gesundheit deines Babys sein kann. Ein gutes Stillmanagement kann zu einem zufriederen Baby beitragen. Und außerdem ist es völlig normal, dass Stillbabys häufig angelegt werden wollen – es ist gesund für sie, und sie sind gerne an der Brust.
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