Ganzheitliche Begleitung beim Stillen mit zu wenig Milch.

Malzbier für die Milchbildung & wirkungsvolle Alternativen

Traditionell werden Malzbier, Malztrunk oder alhokolfreies Bier für stillende Mütter empfohlen, um die Milchbildung anzuregen. Studien geben Hinweise darauf, dass Malzbier beim Stillen tatsächlich förderlich ist. Allerdings ist Malzbier weniger empfehlenswert als die Alternativen, die ich hier vorstelle.

Enthält Malzbier Alkohol? – Und alkoholfreie Alternativen.

Wenn wir von Malzbier sprechen, meinen wir in der Regel einen „Malztrunk“, zum Beispiel Vitamalz oder Karamalz. Diese Getränke dürfen nicht als Bier verkauft werden, weil Zucker hinzugefügt wird. Malztrunk enthält bis zu 0,5% Alkohol.

Malzbier hingegen wird ohne Zucker gebraut und darf bis zu 2% Alkohol beinhalten. Malzbier wird in Deutschland allerdings viel weniger verkauft als Malztrunk.

Alkoholfreies Bier wird traditionell auch als milchfördernd gepriesen. Alkoholfreies Bier hat bis zu 1,2% Alkohol.

Können diese geringen Mengen an Alkohol dem Baby schaden?

Deutsche Forscher haben untersucht, ob der Alkohol aus „alkoholfreiem“ Bier in die Muttermilch übergeht. Sie fanden heraus, dass eine sehr geringer Anstieg von Alkohol in der Muttermilch nachweisbar ist, wenn die Frauen 1,5l alkoholfreies Bier getrunken hatten. Allerdings ist die Menge so gering, dass man davon ausgehen kann, dass das dem Baby nicht schadet. Der Anstieg konnte auch nur unmittelbar nach dem Konsum des alkoholfreien Biers nachgewiesen werden, eine Stunde später war der Effekt schon wieder verschwunden.

Malztrunk enthält mit bis zu 0,5% noch weniger Alkohol und du kannst ihn trinken, ohne dir um den Alkoholgehalt Sorgen machen zu müssen.

Wahrscheinlich schadet sogar der Genuss von Malzbier deinem Kind nicht, wenn es bei kleinen Mengen, wie z.B. 500ml bleibt. Aber besprich solche sensiblen Themen lieber nochmal mit deiner Hebamme.

Regt Malzbier wirklich die Milchbildung an?

Es gibt keine Studie, die die Wirksamkeit von Malzbier für die Milchbildung nachweist. Allerdings wurde auch keine solche Studie durchgeführt. Studien zu Bier und Gerste weisen aber in eine vielversprechende Richtung:

In einer Studie von italienischen Forschern wurde untersucht, wie sich der Genuss von Bier auf den Prolaktinspiegel im Blut auswirkt. Prolaktin wird auch als „Stillhormon“ bezeichnet und ist wichtig für die Milchbildung. In der Studie wurden nicht stillenden Frauen drei verschiedene Getränke gegeben: Bier, Wasser und Wasser mit 6% Alkohol (welches der Alkoholmenge des Biers entsprach). Nach 30 Minuten war bei allen Frauen durch die Flüssigkeitszufuhr der Prolaktinspiegel gestiegen. Bei den Frauen, die Bier getrunken hatten, war der Prolaktinspiegel aber mehr als doppelt so stark angestiegen. Der Anstieg des Prolaktins lag aber nicht am Alkohol, sondern an anderen Inhaltsstoffen des Bieres. Daher kann man davon ausgehen, das auch alkoholfreies Bier das Stillhormon fördert. Allerdings haben die Teilnehmerinnen der Studie nicht gestillt. Ob stillende Frauen tatsächlich mehr Milch haben, wenn sie Malzbier trinken, konnte die Studie also nicht herausfinden.

Malzbier enthält Gerste in Form von Gerstenmalz. In der traditionellen persischen Medizin gilt Gerste als milchfördernd. In einer Übersichtsstudie haben iranische Forscher alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Frage, ob Gerste die Milchbildung anregt, zusammengetragen. Sie kommen zu dem Schluss, dass Gerste wahrscheinlich Stoffe enthält, die das Stillhormon Prolaktin fördern. Außerdem kann Gerste helfen, die Muttermilch mit zusätzlichen Antioxidantien anzureichern. Antioxidantien helfen bei der Infektabwehr des Babys und sie somit gut für das Immunsystem. Womöglich fördert Gerste also nicht nur die Milchbildung, sondern verbessert auch die Qualität der Muttermilch.

Eine deutsche Übersichtsstudie kommt auch zu dem Schluss, dass Gerste wichtigte Inhaltsstoffe hat, die die Milchproduktion fördern könnten. Andere Inhaltsstoffe von Bier, wie Hopfen und Alkohol, haben eine beruhigende Wirkung. Es wird spekuliert, dass diese beruhigende Wirkung beim Stillen hilfreich sein könnte. Allerdings ist Alkohol schädlich für gestillte Babys. Babys trinken auch weniger an der Brust, nach Alkoholkonsum der Mutter. Diese Studie weist deshalb darauf hin, dass stillende Frauen besser alkoholfreies Bier, das ebenfalls Gerstenmalz enthält, trinken sollten.

Eine polnischen Studie, die in einem Krankenhaus in Warschau durchgeführt wurde, hat den Effekt von Zitronenmelisse, Gerstenmalz und Gersten-Glucan (einem Inhaltsstoff der Gerste) untersucht. Hier ging es um Mütter, deren Milchbildung für die Ernährung ihres Frühchens angeregt werden sollte. Die Frauen erhielten einen Produkt, das Zitronenmelisse sowie Gerstenmalz, enthielt, das mit 70% Gersten-Glucan angereichert war. Die Mütter, die dieses Produkt bekamen, konnten 30% mehr Milch abpumpen, als die Mütter, die ein Placebo bekamen.

Ähnliche wie die in der Gerste enthaltenen Beta-Glucane kommen auch in Pilzen, wie etwa Hefe, vor. Es gibt eine Übersichtsstudie, die zeigt, dass zumindest bei Nutztieren der Zusatz von Beta-Glucanen aus Hefe oder Hefe selbst die Milchmenge erhöhen kann.

Keine dieser Studien hat sich also den Effekt von Malzbier auf die Milchbildung angeschaut. Allerdings enthält Malzbier Gerstenmalz, dessen Inhaltsstoffe sich tatsächlich förderlich auf die Milchbildung auswirken können. Ob bei einer normalen Trinkmenge allerdings genug Gerstenmalz enthalten ist, um einen Unterschied zu bemerken, können wir nicht wissen.

Wieviel Malzbier ist gesund?

Wenn du einen Malztrunk, wie Vitamalz oder Karamalz auswählst, musst du dir über den Alkoholgehalt vermutlich keine Sorgen manchen. Allerdings solltest du beachten, dass 0,5l Vitamalz oder Karamalz etwa 40 Gramm Zucker beinhalten. Das ist ungefähr so viel wie in 80 Gramm Milchschokolade enthalten sind. Natürlich dürfen auch stillende Mütter naschen und ich habe das auch getan… Vor allem da in der Stillzeit der Energiebedarf höher ist. Dennoch ist es wichtig, die Zuckermenge im Auge zu behalten. Mehr als eine Flasche pro Tag würde ich persönlich daher nicht trinken, und dann auch nur, wenn es andere Süßigkeiten ersetzt.

Ich kann zu Ernährungsfragen in der Schwangerschaft und Stillzeit dieses Buch empfehlen. Darin wird genauer diskutiert, welche Probleme zu viel Zucker in der Ernährung verursachen kann.

Anstatt Malzbier oder Malztrunk kannst du auch alkoholfreies Bier trinken. Ich würde dann das alkoholfreie Pils gegenüber dem alkoholfreien Weizen bevorzugen. Pils enthält nur Gerstenmalz, Weizenbier hingegen höchstens 50% Gerstenmalz und sonst Weizenmalz. Was den Alkoholgehalt betrifft, darfst du hiervon 1,5l ohne Probleme trinken. Achte aber auch auf deine Gelüste. Wenn es dir nicht schmeckt, lasse es lieber bleiben. Weiter unten im Artikel findest du hervorragende Alternativen.

Blähungen von Malzbier?

Manche Mütter berichten davon, dass sie selbst oder ihre Babys von Malzbier oder alkoholfreiem Bier Blähungen bekommen. Das ist allerdings etwas, das man individuell ausprobieren muss. Übrigens bekommen gar nicht so wenige Erwachsene von Bier, gleich welcher Art, Blähungen. Und wenn du selbst etwas nicht gut verträgst, verträgt es dein Baby vielleicht auch nicht so gut. Wenn Malzbier und alkoholfreies Bier dir und deinem Baby nicht gut tun, dann lass es lieber weg und probiere einige der folgenden Alternativen aus.

Alternativen zum Malzbier

Die beste Alternative zum Malzbier besteht darin, dein Baby so oft wie möglich anzulegen, damit deine Brust häufig entleert wird und darüber das Signal erhält, mehr Muttermilch zu bilden.

Wenn du darüber hinaus den Effekt von Gerste und ihrer Beta-Glucane auf deine Milchbildung ausprobieren möchtest, musst du kein Malzbier trinken. Du musst nur wissen, dass Gerste das Nahrungsmittel mit dem höchsten Gehalt an Beta-Glucanen ist. Hafer enthält auch einen ernstzunehmenden Gehalt an Beta-Glucan, ebenso wie Hirse.

Bei der Gerste gibt es sogar eine relativ neue Züchtung, die speziell den Gehalt an Beta-Glucan erhöht hat, die man als sogenannte BetaGerste oder Brotgerste kaufen kann (allerdings habe ich sie nur im Internet zum Kauf gefunden, und sie ist deutlich teurer als normale Gerste). Diese Gerste ist zum einen besser zum Brotbacken geeignet als herkömmliche Gerste. Zum anderen ist nachgewiesen, dass die enthaltenen Beta-Glucane auch cholesterinsenkend und blutzuckerregulierend sind, und sie wird daher auch als health food vermarktet.

Hier sind einige Tipps, wie du Gerste in deiner Ernährung unterbringen kannst. Auf diese Weise kannst du selber ausprobieren, ob Gerste für deine Milchbildung förderlich ist – das gute daran ist, dass du damit eigentlich nichts falsch machen kannst, weil Gerste gesund und sicher ist (aber Achtung bei Glutenunverträglichkeit).

Alternativen zum Malzbier:

  • Wie oben erwähnt enthält alkoholfreies Pils auch einen hohen Anteil an Gerstenmalz
  • Gerstenmalz lässt sich pulverförmig als Brotzutat kaufen, z.B. im Bioladen. Es schmeckt süßlich und kann problemlos in Backwaren, Müsli usw. beigemischt werden. Es ist nicht ganz billig, aber vermutlich deutlich günstiger als Malzbier oder alkoholfreies Bier.
  • Gerstenmalz ist (im Bioladen bei den Backzutaten) auch als eine Art süßer Aufstrich verfügbar, im Geschmack ähnlich wie Zuckerrübensirup, der ebenfalls einen hohen Zuckergehalt hat, den du aber z.B. statt eines anderen süßen Frühstücks essen und verschiedene Speisen damit süßen kannst.
  • Gerste oder Beta-Gerste gekocht kannst du als Suppeneinlage oder wie Reis als Beilage verwenden, manche Leute kochen auch eine Art Risotto davon.
  • Das Kochwasser der Gerste gilt in verschiedenen Ländern traditionell als gesundes, milchförderndes Getränk, das du kalt oder auch warm (wie einen Tee, z.B. mit Gerstenmalz gesüßt) trinken kannst.
  • Gerstenflocken (aus normaler Gerste oder BetaGerste) kannst du wie Haferflocken als Müsli essen oder Kekse, Stillkugeln u.ä. daraus herstellen.

Wenn Gerste dir nicht so zusagt, kannst du alternativ auch Hafer oder Hirse verwenden, die allerdings weniger Beta-Glucane enthalten.

Eine andere Art von Beta-Glucanen sind in Pilzen enthalten, teilweise in hoher Konzentration, dazu gehören beispielsweise die Hefe (z.B. als Bierhefetabletten oder Hefeflocken), Reishi, Shiitake-Pilze und Champignons. Die hier enthaltenen Beta-Glucane haben aber eine etwas andere Wirkung im Körper und sollen einen positiven Einfluss auf den Darm und das Immunsystem haben. Dennoch gibt es auch hier Hinweise auf eine Förderung der Milchbildung.

Malzbier für die Milchbildung?

Das im Malzbier, Malztrunk und alkoholfreiem Bier enthaltene Gerstenmalz scheint tatsächlich die Milchbildung zu fördern. Ob allerdings bei normaler Trinkmenge die Wirkung spürbar ist, ist wissenschaftlich noch nicht gesichert. Dazu enthält Malztrunk auch sehr viel Zucker, so dass alkoholfreies Pils oder andere Produkte aus Gerste eine gesündere Alternative darstellen.

Du solltest darüber aber nicht vergessen, dass das häufige Anlegen die beste Methode ist, um mehr Milch zu produzieren. Falls du starke Probleme hat mit der Milchbildung, z.B.

  • du bemerkst keinen Milcheinschuss
  • dein Baby nimmt viel ab, bzw. nicht zu
  • dein Baby wirkt dehydriert oder entwickelt eine Neugeborenengelbsucht

… dann solltest du es nicht auf eigene Faust mit Malzbier und anderen Hausmitteln versuchen. Wende dich als erstes an deine Hebamme oder den Kinderarzt und besprich mit das weitere Vorgehen.

Wenn es deinem Kind gut geht und du dennoch das Gefühl hast, dass es etwas mehr Milch sein könnte, dann kannst du selbst ausprobieren, ob Gerste in Form von Malzbier oder anderen Nahrungsmitteln deine Milchproduktion ankurbelt.

Was ist deine Erfahrung mit Malzbier oder alkoholfreiem Bier in der Stillzeit?

Hinterlasse mir doch einen Kommentar. Ich antworte bestimmt.

2 Antworten zu „Malzbier für die Milchbildung & wirkungsvolle Alternativen“

  1. Avatar von Anna
    Anna

    Der Malztrunk von Vitamalz enthält gar keinen Alkohol, das ist mit 0,00 % Alkohol auf der Flasche ausgewiesen, anders als bei alkoholfreien Bieren, die bis zu 0,5 % Alkohol enthalten dürfen.

    1. Avatar von sarah

      Danke für den Hinweis! Bitburger ist z.B. als akoholfreies Pils auch mit 0,0% ausgezeichnet.

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