Ganzheitliche Begleitung beim Stillen mit zu wenig Milch.

Die Milchmenge mit der Pumpe steigern

Die Milchpumpe ist ein sehr wirksames Hilfsmittel bei der Steigerung deiner Milchmenge. Mit der Milchpumpe kannst du deine Brust zusätzlich zu den Stillmahlzeiten entleeren, was wiederum dazu führt, dass deine Brust mehr Milch produziert. Als besonders effektiv haben sich elektrische Doppelmilchpumpen erwiesen. Wie genau die Milchmengensteigerung mit der Pumpe funktioniert, worauf du achten musst und wann du die Pumpe lieber weglässt, erfährst du in diesem Artikel.

Prolaktin ist ein Hormon, das für die Milchbildung von entscheidender Bedeutung ist. Dein Körper hat einen faszinierenden Mechanismus, der bewirkt, mehr Milch zu bilden, wenn dein Baby hungrig ist, und Prolaktin spielt darin eine wichtige Rolle.

Wenn nämlich deine Brust komplett entleert ist, signalisiert sie der Hirnanhangdrüse, dass mehr Prolaktin ausgeschüttet werden muss. Die Hirnanhangdrüse produziert daraufhin mehr Prolaktin, was zur verstärkten Milchbildung in deiner Brust führt.

(Falls du übrigens immer nur eine Seite entleerst, wird auch nur in dieser Seite verstärkt Milch gebildet. Ist das nicht faszinierend?)

Wenn Babys „Cluster feeding“ machen, also gefühlt über mehrere Stunden nur an der Brust hängen, dann passiert genau das gleiche. Wenn dein Baby noch sehr klein ist, oder aus anderen Gründen bei größerem Nahrungsbedarf nicht häufiger stillt, dann kann das sogenannte Power Pumping diese notwendige Simulation in der Brust ersetzen.

Besonders wirksam: Power Pumping

Beim Power Pumping, oder auch Powerpumpen oder Intervallpumpen, stimulierst du deine Brust dazu, mehrere Milchspendereflexe auszulösen. Das führt dazu, dass deine Brust komplett entleert wird und der Hirnanhangdrüse signalisiert, mehr Prolaktin auszuschütten, also künftig mehr Milch zu bilden.

Das Power Pumping solltest du zusätzlich zu den Stillmahlzeiten durchführen.

Leih dir eine elektrische Doppelmilchpumpe bei der Apotheke aus (die gibt es auf Rezept vom Gynäkologen oder vom Kinderarzt – wenn du allerdings zum Kinderarzt gehst, ist das Rezept zuzahlungsfrei) – wenn du schon die Zeit investierst, soll sie wirklich gut investiert sein.

Suche dir eine Routine aus, die in deinen Tag passt und dich nicht zu sehr stresst. Wenn du dir einmal eine Stunde Zeit nehmen kannst, dann pumpe im folgenden Rhythmus ab:

20 Minuten pumpen

10 Minuten Pause

10 Minuten pumpen

10 Minuten Pause

10 Minuten pumpen

Verzichte dabei nicht auf die Pausen. Es kommt nicht darauf an, lange zu pumpen, sondern häufig, um in deinem Körper die richtigen Signale zu senden. Zu lange am Stück zu pumpen ist auch gar nicht so gut für deine Brustwarzen. Nutze die Pausen so gut es geht für dich. Wenn jemand anders das Baby in der Zeit hütet, kannst du getrost duschen gehen, snacken, etwas trinken, oder einfach ausruhen.

Wenn du keine ganze Stunde am Stück dafür Zeit hast, dann kannst du stattdessen auch mehrmals am Tag diesen 25-Minuten-Rhythmus nutzen:

5 Minuten pumpen

5 Minuten Pause

5 Minuten pumpen

5 Minuten Pause

5 Minuten pumpen

Je häufiger du das einrichten kannst (bis zu 6 mal täglich), desto stärker wird deine Milchbildung angekurbelt. (Hier kannst du nachlesen, ob nächtliches Abpumpen auch notwendig ist.)

Wichtig: Du bist keine Milchkuh, sondern eine Frau, für die die Muttermilchgewinnung eine wichtige psychologische Bedeutung hat oder haben kann. Es geht hier nicht um Leistung, sondern um eine Routine, die mittel- bis langfristig zu einer höheren Milchmenge führt.

Deshalb mach es dir gemütlich. Du kannst beim Abpumpen über Kopfhörer Musik oder eine Audiobook hören, oder ein Buch lesen (Ohrenstöpsel helfen, den Lärm der Milchpumpe auszuklammern) oder lustige Katzenvideos gucken. Starre nicht in den Milchbecher (es sei denn, es sind schon Erfolgserlebnisse erkennbar, die dich motivieren), sondern nutze die Zeit so gut es geht für dich, deine Entspannung und deine mentale Gesundheit.

Du kannst dir zu diesem Zweck einen Pump-BH zulegen, der es dir erlaubt, die Hände beim Pumpen freizuhaben. Alternativ kannst du einen alten BH oder ein Bustier passend zurechtschneiden: Jeweils ein Loch auf Höhe der Brustwarzen hält den Pumptrichter am richtigen Platz. (Wenn du „Pump-BH“ googlest, findest du entsprechende Inspirationen!)

Was passiert mit der gewonnenen Muttermilch?

Das Power Pumping ist dann empfehlenswert, wenn du für dein Baby mehr Milch brauchst – und in diesem Fall sollte das Baby die gute Milch auch bekommen! Die gewonnene Milch kannst du 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahren und nach sanfter Erwärmung im Wasserbad deinem Baby füttern, zum Beispiel im Anschluss an die Stillmahlzeiten oder zu einer Tageszeit, in der dein Baby besonders hungrig ist (z.B. abends). Empfehlenswert für kleinere Mengen ist das Zufüttern mit dem Löffel, aber dein Baby ist auch schon in der Lage, aus einem Becher zu trinken. Eine Flasche kann, gerade bei kleineren Babys, zu einer Saugverwirrung bzw. zu einer Vorliebe für die Flasche gegenüber der Brust führen.

Sollte jede Mutter abpumpen?

Nein – das Abpumpen ist nicht für jede Mutter sinnvoll. Im Gegenteil kann das Abpumpen sogar zu Milchstau, Brustentzündung oder wunden Brustwarzen führen. Ich empfehle das Abpumpen deshalb nur in besonderen Fällen:

  • Wenn du trotz häufigem Anlegen deines Babys nicht genug Milch hast und zufüttern musst.
  • Wenn dein Baby (vorübergehend) die Brust nicht richtig entleeren kann, in diesem Fall um deine Milchmenge beizubehalten.
  • Wenn absehbar ist, dass deine Brust nicht für das Baby verfügbar sein wird und du zur Überbrückung abgepumpte Milch einfrieren möchtest, bzw. bei Berufstätigkeit.

Wenn du für längere Zeit Milch abpumpen und zufüttern musst, solltest du hier klicken, um meinen Artikel zum Thema „Richtig Pumpstillen“ lesen.

Manche Frauen pumpen sehr viel Milch ab, um einen richtigen Vorrat in der Tiefkühltruhe anzulegen. Das ist in den allermeisten Fällen aber gar nicht nötig: Zum einen birgt es, wie erwähnt, Risiken für die Gesundheit deiner Brust. Zum anderen solltest du daran denken, dass Muttermilch vollgepackt mit Nährstoffen ist, die du dir nicht unnötig entziehen solltest, um sie eines Tages wegzuwerfen. Wenn es dir dennoch ein Anliegen ist und dich beruhigt, kannst du es natürlich gerne tun.

Ein schonenderer Weg, Muttermilch zu sammeln und die Brust zu entleeren, besteht übrigens in der Muttermilchgewinnung von Hand. Es ist auch ziemlich effektiv und vor allem jederzeit und überall möglich:

Wenn du magst, kannst du, nachdem du deine Hände gewaschen hast, eine Brustmassage durchführen, damit die Milch leichter fließt.

Um die Milch zu gewinnen, legst du deine Hand flächig auf die Brust. Zeige- und Mittelfinger liegen einander gegenüber mit etwas Abstand zur Brustwarze und bilden mit dieser eine gerade Linie. Dann übst du mit Zeige- und Mittelfinger einen leichten Druck zum Brustkorb hin aus und schiebst anschließend die beiden Finger mit der darunter liegenden Haut in Richtung der Brustwarze. Achte darauf, dass es sich zu keinem Zeitpunkt unangenehm oder schmerzhaft anfühlt.

Du musst die Position der Finger um die Brustwarze herum verändern, um aus allen Teilen der Brust die Milch zu gewinnen. Den Vorgang wiederholst du an der anderen Brust.

Achte bitte, wie beim Abpumpen auch, auf gute Hygiene.

Muttermilch von Hand gewinnen

Wann sollte ich nicht abpumpen?

  • Wenn es nicht notwendig ist, weil das Stillen gut funktioniert. Wenn du dann durch die Milchpumpe deine Milchmenge steigerst und dann wieder aufhörst, abzupumpen, besteht ein Risiko für einen Milchstau, der zur Mastitis führen kann. Außerdem besteht bei Verwendung von Milchpumpen immer ein Risiko zur Infektion der Brustwarzen, insbesondere bei mäßiger Hygiene.
  • Bei wunden Brustwarzen solltest du, sofern du gleichzeitig stillst, vorübergehend auf das Abpumpen verzichten. Das Abpumpen kann durch die zusätzliche, ziemlich grobe Stimualtion, zur Wundheit sogar noch beitragen. Besser ist es in diesem Fall, vorübergehend Milch von Hand zu gewinnen, wenn du deine Milchmenge dennoch steigern möchtest.
  • Wenn du zu viel Milch hast, löst Abpumpen das Problem nicht, sondern verstärkt es nur. Denn mit jeder Entleerung deiner Brust wird zusätzliche Milch gebildet. Besser ist es, das Druckgefühl in der Brust durch die Milchgewinnung von Hand etwas zu erleichtern, ohne die Brust ganz zu entleeren.
  • Wenn du zu den Frauen gehörst, bei denen die Milchpumpe nicht effektiv ist. Das merkst du daran, dass dein Baby an der Brust ausreichend versorgt wird, du beim Abpumpen aber kaum etwas herausbekommst. Das kommt durchaus vor, und dann kannst du getrost auf die Milchpumpe verzichten. Gehe aber sicher, dass du dir richtige Brusthaubengröße verwendest, denn eine falsche Brusthaubengröße kann die Ursache für wenig Milch beim Abpumpen sein (hier klicken).
  • Wenn du sehr wenig Milchdrüsengewebe hast, dann kann das Abpumpen sehr nervenaufreibend sein, weil die erreichte Milchmenge so gering ist. Zwar kann die Stimulation zusätzliches inaktives Milchdrüsengewebe aktivieren. Aber wenn du nach wenigen Tagen kaum einen Effekt siehst, solltest du überlegen, dich mit deiner verfügbaren Milchmenge aufs Stillen zu konzentrieren, statt dich an der Pumpe zu demotivieren. (Lies auch gerne meinen Artikel über Gründe, weshalb Frauen nicht voll stillen können, indem du hier klickst.)

Kann ich die Milchmenge mit einer Handmilchpumpe steigern?

Wenn du gerade nicht an eine elektrische Doppelmilchpumpe herankommst, kannst du auch eine handelsübliche Handmilchpumpe oder elektrischen Einzelpumpe verwenden. Um die Milchmenge zu steigern, ist es besser, überhaupt zu pumpen, als gar nicht zu pumpen. Sei dir aber bewusst, dass das weniger effektiv ist und du mehr Einsatz zeigen musst, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.

Wenn du dir eine Stunde Zeit nehmen kannst, eignet sich folgender Rhythmus:

10 Minuten links

10 Minuten rechts

5 Minuten Pause

10 Minuten links

10 Minuten rechts

5 Minuten Pause

5 Minuten links

5 Minuten rechts

Ich freue mich, wenn du mir deine Erfahrungen mit dem Abpumpen bzw. Power Pumping zur Steigerung der Miclhmenge in einem Kommentar da lässt.

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